Trend
Trendfolgende EAs halten Positionen in der vorherrschenden Marktrichtung mit Stop-Loss und nachgezogenen Ausstiegen und nehmen viele kleine Verluste für wenige große Gewinne in Kauf.
Mechanismus
Ein Trend-EA liest einen Crossover gleitender Durchschnitte, einen ATR-Band-Ausbruch oder einen Momentum-Oszillator, um in Richtung der vorherrschenden Bewegung einzusteigen, und zieht dann seinen Stop-Loss nach, während der Kurs läuft. Ausstiege werden bei Signalumkehr oder Erreichen des Trailing-Stops ausgelöst. Die Positionsgröße ist fest oder an den ATR skaliert. Die Handelsfrequenz ist niedrig (= 5-30 pro Monat und Paar) im Vergleich zu Scalping oder Grid.
Eignung
Am besten in Märkten mit anhaltendem gerichtetem Momentum (= EUR/USD H1 während der London-Session, USD/JPY in Trendwochen, XAU/USD in Makro-Themen). Schlecht geeignet für seitwärts gerichtete Konsolidierung, wo Fehlausbrüche wiederholte kleine Verluste erzeugen. Kapitaltoleranz von ~5-15 % Drawdown ist realistisch; geeignet für Händler, die Positionen über Stunden bis Tage ohne Eingriff halten können.
Hinweise
Trendfolge ist die ursprüngliche systematische Edge an den Märkten — die Turtles in den 1980ern, Managed-Futures-Programme seit den 1970ern, Währungs-Overlay-Fonds heute. Der Mechanismus überlebt, weil er eine verhaltensbezogene Tatsache zu Geld macht: Anhaltende gerichtete Bewegungen dauern länger, als die Erwartungen an eine Rückkehr zum Mittelwert nahelegen, und der geduldige Halter wird von dem ungeduldigen Händler bezahlt, der die Bewegung immer wieder gegen den Trend handelt.
Für den EA-betreibenden Privatanleger ist der Kompromiss psychologischer Natur: Sie akzeptieren, 60-65 % der Trades zu verlieren, und holen die Differenz über die 5-10 % heraus, die sich zu Vielfachen des Risikos summieren. Das ist die umgekehrte emotionale Form des „oft gewinnen, selten verlieren”-Profils eines Scalpers, und viele Nutzer geben Trendsysteme nach einer Verlustserie von sechs Trades auf — selbst wenn der zugrunde liegende Erwartungswert intakt bleibt.
Bei der Bewertung eines Trend-EA in diesem Katalog zählen folgende Kennzahlen:
- Maximaler Drawdown über einen 5-Jahres-Backtest — muss durch eine echte Verlustserie hindurch erträglich sein, nicht nur auf dem Papier.
- Erholungszeit vom Drawdown-Tief bis zum neuen Eigenkapitalhoch — lange Erholungen (90+ Tage) stellen die Disziplin auf die Probe.
- CAGR / Max-DD-Verhältnis — ein Trend-EA mit Ziel 18 % CAGR bei -8 % Max DD hat eine weit höhere Qualität der Edge als 18 % CAGR bei -20 % Max DD.
- Handelsfrequenz — zu wenige Trades (= < 5/Monat) und die Stichprobe ist zu klein für eine statistische Aussage über die Edge.
EA-Katalog
4 Trend-EAs in diesem Katalog
Glossary